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Goethe und
das Papiergeld

Wie Mephisto die Geldschöpfung erfand

Faust II · Erster Akt · Am Kaiserhof

I
Mephisto zum Kaiser
Wo fehlt’s nicht irgendwo auf dieser Welt?
Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.
Kaiser
Ich habe satt das ewige Wie und Wenn;
Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff’ es denn.
Mephistopheles vor dem König Mephisto vor dem Kaiser – Es fehlt das Geld
II
Mephisto
Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr;
Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer;
Es liegt schon da, doch um es zu erlangen,
Das ist die Kunst, wer weiß es anzufangen?

… Das alles liegt im Boden still begraben,
Der Boden ist des Kaisers, der soll’s haben.
Mephistopheles und der goldene Schatz Mephisto und der goldene Schatz des Kaisers
III
Kanzler
Der Satan legt euch goldgewirkte Schlingen:
Es geht nicht zu mit frommen rechten Dingen.

Der Kaiser ist noch nicht überzeugt – aber erstmal Karneval feiern …

Der warnende Kanzler Der Kanzler warnt – goldgewirkte Schlingen
IV
Kaiser
So sei die Zeit in Fröhlichkeit vertan!
Und ganz erwünscht kommt Aschermittwoch an.
Indessen feiern wir, auf jeden Fall,
Nur lustiger das wilde Karneval.


Maskenball im mittelalterlichen Saal Das wilde Karneval – Masken und Schein
V
Der Trick in der Nacht
Nachts und nebenbei geschieht es – wie die Fed am Freitag vor Weihnachten.

Mephisto bringt den Kaiser im Trubel des nächtlichen Maskenballs dazu, eine Urkunde zu unterschreiben, die er über Nacht vervielfältigen und als Papiergeld verbreiten lässt.
König unterzeichnet das Dokument Der Kaiser unterschreibt – im Trubel der Nacht
VI
Kanzler
Der Zettel hier ist tausend Kronen wert.
Ihm liegt gesichert, als gewisses Pfand,
Unzahl vergrabnen Guts im Kaiserland.

Der Kaiser erinnert sich nicht. Ihm wird erklärt, dass er dies in der Nacht unterschrieben hat – und Künstler es vertausendfacht und in verschiedene Scheine verwandelt haben.

König und Mephistopheles im Thronsaal Der Kaiser erfährt vom Papiergeld
VII
Kaiser
Und meinen Leuten gilt’s für gutes Gold?
Dem Heer, dem Hofe gnügt’s zu vollem Sold?
So sehr mich’s wundert, muß ich’s gelten lassen.

Die Wechslerbänke stehen sperrig auf:
Man honoriert daselbst ein jedes Blatt
Durch Gold und Silber, freilich mit Rabatt.

Der König und die Soldaten Dem Heer gnügt’s zu vollem Sold
VIII
Kanzler
So hört und schaut das schicksalsschwere Blatt,
das alles Weh in Wohl verwandelt hat.

Die Beteiligten sind vom anfänglichen Erfolg ganz angetan. Das Papiergeld scheint alle Probleme zu lösen.

Mittelalterlicher Markt mit Geldwechseln Die Wechslerbänke – Papier gegen Gold
IX
Mephisto
Ein solch Papier, an Gold und Perlen statt,
Ist so bequem, man weiß doch, was man hat;
Man braucht nicht erst zu markten, noch zu tauschen,
Kann sich nach Lust in Lieb’ und Wein berauschen.
Mephistopheles und der goldene Schatz Mephisto – Lieb’ und Wein berauschen
X
Der Rausch

Die Beteiligten sind so beglückt über die vermeintliche Wohltat, dass sie gar nicht ahnen, dass ihnen die Entwicklung aus den Händen gleiten wird.

Zwar kann sich der Staat zunächst seiner Schulden entledigen, während die private Konsumnachfrage stark steigt und einen Aufschwung befeuert …

Jubel in der mittelalterlichen Stadt Jubel und Rausch – das Volk feiert
XI
Das bittere Ende
Im weiteren Verlauf artet das Treiben jedoch in Inflation aus – und das Geldwesen wird infolge der rapiden Geldentwertung zerstört.
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Der zerfallene Thronsaal Der zerfallene Thronsaal – das Ende
XII